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	<description>Gunilla Göttlicher &#38; Leo Auri</description>
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		<title>Halb Reh Halb Mädchen (Hans Arp)</title>
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		<pubDate>Mon, 14 May 2012 19:58:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunilla</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[HALB REH HALB MÄDCHEN in: DIE UNGEWISSE WELT (1939-1945 – Im Hoffnungslosen) Ein nacktes träumendes Geschöpf, halb Reh, halb Mädchen, lässt sich unter einem alten morschen Baume in meinem träumenden Garten nieder. Das nackte träumende Geschöpf, halb Reh, halb Mädchen, vertraut dem alten morschen Baume an, dass die Augen nie erlöschen, dass die Sterne nie verglühen, dass die Erde der Himmel sei. Und der alte morsche Baum beginnt zu grünen und zu blühen. von Hans Arp aus: Wortträume und schwarze Sterne. Auswahl aus den Gedichten der Jahre 1911-1952. Limes Verlag Wiesbaden/ München.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="image_right"><img src="http://mondblume.leoauri.com/wp-content/uploads/2012/05/HalbReh.jpg" alt="" title="HalbReh" width="270" height="360" class="alignnone size-full wp-image-74" /></div>
<p>HALB REH HALB MÄDCHEN<br />
in: DIE UNGEWISSE WELT (1939-1945 – Im Hoffnungslosen)</p>
<div class="poem_text">
Ein nacktes träumendes Geschöpf,<br />
halb Reh, halb Mädchen,<br />
lässt sich unter einem alten morschen Baume<br />
in meinem träumenden Garten nieder.<br />
Das nackte träumende Geschöpf,<br />
halb Reh, halb Mädchen,<br />
vertraut dem alten morschen Baume an,<br />
dass die Augen nie erlöschen,<br />
dass die Sterne nie verglühen,<br />
dass die Erde der Himmel sei.<br />
Und der alte morsche Baum<br />
beginnt zu grünen und zu blühen.
</div>
<p>von Hans Arp<br />
aus: Wortträume und schwarze Sterne. Auswahl aus den Gedichten der Jahre 1911-1952. Limes Verlag Wiesbaden/ München.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Unwesen und Treiben verwirrter Engel (Hans Arp)</title>
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		<comments>http://mondblume.leoauri.com/2012/unwesen-und-treiben-verwirrter-engel-hans-arp/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 07 May 2012 17:37:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[UNWESEN UND TREIBEN VERWIRRTER ENGEL in: DER GESTIEFELTE STERN (Zürich, Strassburg und Paris 1924-1927) Die fahnenflüchtigen Engel summen wie Schnee. Willkommen in der neuen Welt! Wie durch Fässer ohne Boden springen sie strahlend der Länge nach einer durch den andern, zersägen die Blitze auf dem Sägebock, befreien die gefesselten Blumen und werfen die Steine in das Meer. Die Steine klammern sich verzweifelt an ihre Lunge wie die schiffbrüchigen Silben an die Blätter der grünen Addition. Hinter einer Barrikade von Liederbüchern rufen die Engel Trumpf, nehmen sich bei den behandschuhten Händen, schlafen auf vierbeinigen Flüssigkeiten ein und verwandeln sich in einen kreisrunden Seelenlappen, der eine Nasenlänge über die Unendlichkeit hinausragt und sich im atheistischen Schnürboden als Körper ohne Namen vorstellt. So stehen die Dinge im Jahre Eins. Im Jahre Zwei hört die Flucht der Fahnen auf. Der Ruf: „Willkommen in der neuen Welt“ ertönt nur noch bei ritschratschrituellen Handlungen, zum Beispiel, wenn ein Topf voll Zeit vom Herd der Welt genommen wird. Im Jahre Drei ist die neue Welt alt geworden. Die Engel paginieren ihre Flügel und wollen wie eine Masse vasenhäutigen Scholarenwindes verduften. Dieser Duft wird jedoch von einem gewissen stärkeren Duft so gewaltig überduftet, dass die Engel dabei in zwei gleich große kalte Portionen zerfallen, die schwarze Farbe bekennen, dem „im Namen“ das „Amen“ und dem Anfang vom Gesang den Schluss vom Lied folgen lassen, während im ungebadeten Urtext schließlich die Engel an die Deichseln der Sterne gespannt werden und mit dem Wahngebilde auf Nimmerwiedersehen verschwinden. von Hans Arp....]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="image_right"><img src="http://mondblume.leoauri.com/wp-content/uploads/2012/05/unwesen-und-treiben-verwirrter-engel.jpg" alt="" title="unwesen-und-treiben-verwirrter-engel" width="270" height="324" class="alignnone size-full wp-image-71" /></div>
<p>UNWESEN UND TREIBEN VERWIRRTER ENGEL<br />
in: DER GESTIEFELTE STERN (Zürich, Strassburg und Paris 1924-1927)</p>
<div class="poem_text">
Die fahnenflüchtigen Engel summen wie Schnee.<br />
Willkommen in der neuen Welt!<br />
Wie durch Fässer ohne Boden<br />
springen sie strahlend der Länge nach einer durch den andern,<br />
zersägen die Blitze auf dem Sägebock,<br />
befreien die gefesselten Blumen<br />
und werfen die Steine in das Meer.<br />
Die Steine klammern sich verzweifelt an ihre Lunge<br />
wie die schiffbrüchigen Silben an die Blätter der grünen Addition.<br />
Hinter einer Barrikade von Liederbüchern rufen die Engel Trumpf,<br />
nehmen sich bei den behandschuhten Händen,<br />
schlafen auf vierbeinigen Flüssigkeiten ein<br />
und verwandeln sich in einen kreisrunden Seelenlappen,<br />
der eine Nasenlänge über die Unendlichkeit hinausragt<br />
und sich im atheistischen Schnürboden als Körper ohne Namen vorstellt.<br />
So stehen die Dinge im Jahre Eins.<br />
Im Jahre Zwei hört die Flucht der Fahnen auf.<br />
Der Ruf: „Willkommen in der neuen Welt“<br />
ertönt nur noch bei ritschratschrituellen Handlungen,<br />
zum Beispiel, wenn ein Topf voll Zeit vom Herd der Welt genommen wird.<br />
Im Jahre Drei ist die neue Welt alt geworden.<br />
Die Engel paginieren ihre Flügel<br />
und wollen wie eine Masse vasenhäutigen Scholarenwindes verduften.<br />
Dieser Duft wird jedoch von einem gewissen stärkeren Duft so gewaltig überduftet,<br />
dass die Engel dabei in zwei gleich große kalte Portionen zerfallen,<br />
die schwarze Farbe bekennen,<br />
dem „im Namen“ das „Amen“<br />
und dem Anfang vom Gesang den Schluss vom Lied folgen lassen,<br />
während im ungebadeten Urtext<br />
schließlich die Engel an die Deichseln der Sterne gespannt werden<br />
und mit dem Wahngebilde auf Nimmerwiedersehen verschwinden.
</div>
<p>von Hans Arp<br />
aus: Wortträume und schwarze Sterne. Auswahl aus den Gedichten der Jahre 1911-1952. Limes Verlag Wiesbaden/ München.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Ebene (Hans Arp)</title>
		<link>http://mondblume.leoauri.com/2012/die-ebene-hans-arp/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 20:47:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[DIE EBENE in: DIE UNGEWISSE WELT (1939-1945) Ich befand mich allein mit einem Stuhl auf einer Ebene, die sich in einen leeren Horizont verlor. Die Ebene war fehlerlos asphaltiert. Nichts, aber auch gar nichts außer mir und dem Stuhl befand sich auf ihr. Der Himmel war immerwährend blau. Keine Sonne belebte ihn. Ein unerklärliches, vernünftiges Licht erhellte die endlose Ebene. Wie künstlich aus einer anderen Sphäre projiziert, erschien mir dieser ewige Tag. Ich hatte nie Schlaf, nie Hunger, nie Durst, nie heiß, nie kalt. Da sich nichts auf dieser Ebene ereignete und veränderte, war die Zeit nur ein abwegiges Gespenst. Die Zeit lebte noch ein wenig in mir, und dies hauptsächlich wegen des Stuhles. Durch meine Beschäftigung mit ihm verlor ich den Sinn für Vergangenes nicht ganz. Ab und zu spannte ich mich, als sei ich ein Pferd, vor den Stuhl und trabte mit ihm bald im Kreis, bald gerade aus. Dass es gelang, nehme ich an, ob es gelang, weiß ich nicht, da sich ja im Raume nichts befand, an dem ich meine Bewegung hätte nachprüfen können. Saß ich auf dem Stuhl, so grübelte ich traurig, aber nicht verzweifelt, warum das Innere der Welt ein solches schwarzes Licht ausstrahlte. von Hans Arp aus: Wortträume und schwarze Sterne. Auswahl aus den Gedichten der Jahre 1911-1952. Limes Verlag Wiesbaden/ München.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="image_right"><img src="http://mondblume.leoauri.com/wp-content/uploads/2012/04/die-ebene-2.jpg" alt="" title="die-ebene-2" width="270" height="360" class="alignnone size-full wp-image-69" /></div>
<p>DIE EBENE<br />
in: DIE UNGEWISSE WELT (1939-1945)</p>
<div class="poem_text">
Ich befand mich allein mit einem Stuhl auf einer Ebene,<br />
die sich in einen leeren Horizont verlor.<br />
Die Ebene war fehlerlos asphaltiert.<br />
Nichts, aber auch gar nichts außer mir und<br />
dem Stuhl befand sich auf ihr.<br />
Der Himmel war immerwährend blau.<br />
Keine Sonne belebte ihn.<br />
Ein unerklärliches, vernünftiges Licht erhellte die endlose Ebene.<br />
Wie künstlich aus einer anderen Sphäre projiziert,<br />
erschien mir dieser ewige Tag.<br />
Ich hatte nie Schlaf, nie Hunger, nie Durst,<br />
nie heiß, nie kalt.<br />
Da sich nichts auf dieser Ebene ereignete<br />
und veränderte,<br />
war die Zeit nur ein abwegiges Gespenst.<br />
Die Zeit lebte noch ein wenig in mir,<br />
und dies hauptsächlich wegen des Stuhles.<br />
Durch meine Beschäftigung mit ihm verlor<br />
ich den Sinn für Vergangenes nicht ganz.<br />
Ab und zu spannte ich mich, als sei ich ein<br />
Pferd, vor den Stuhl<br />
und trabte mit ihm bald im Kreis, bald<br />
gerade aus.<br />
Dass es gelang, nehme ich an,<br />
ob es gelang, weiß ich nicht,<br />
da sich ja im Raume nichts befand,<br />
an dem ich meine Bewegung hätte nachprüfen<br />
können.<br />
Saß ich auf dem Stuhl, so grübelte ich<br />
traurig, aber nicht verzweifelt,<br />
warum das Innere der Welt ein solches schwarzes<br />
Licht ausstrahlte.
</div>
<p>von Hans Arp<br />
aus: Wortträume und schwarze Sterne. Auswahl aus den Gedichten der Jahre 1911-1952. Limes Verlag Wiesbaden/ München.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Sekundenzeiger (neue Version)</title>
		<link>http://mondblume.leoauri.com/2012/sekundenzeiger-hans-arp-neue-version/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 19:04:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Neue Version mit Original-Standuhr! SEKUNDENZEIGER in: DER PYRAMIDENROCK (Zürich 1915-1924) dass ich als ich ein und zwei ist dass ich als ich drei und vier ist dass ich als ich wieviel zeigt sie dass ich als ich tikt und takt sie dass ich als ich fünf und sechs ist dass ich als ich sieben acht ist dass ich als ich wenn sie steht sie dass ich als ich wenn sie geht sie dass ich als ich neun und zehn ist dass ich als ich elf und zwölf ist. von Hans Arp aus: Wortträume und schwarze Sterne. Auswahl aus den Gedichten der Jahre 1911-1952. Limes Verlag Wiesbaden/ München.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="image_right"><img class="alignnone size-full wp-image-16" title="sekundenzeiger-collage" src="http://mondblume.leoauri.com/wp-content/uploads/2011/05/sekundenzeiger-collage.jpg" alt="ohne Titel" width="256" height="192" /></div>
<p>Neue Version mit Original-Standuhr!</p>
<p>SEKUNDENZEIGER<br />
in: DER PYRAMIDENROCK (Zürich 1915-1924)</p>
<div class="poem_text">
dass ich als ich<br />
ein und zwei ist<br />
dass ich als ich<br />
drei und vier ist<br />
dass ich als ich<br />
wieviel zeigt sie<br />
dass ich als ich<br />
tikt und takt sie<br />
dass ich als ich<br />
fünf und sechs ist<br />
dass ich als ich<br />
sieben acht ist<br />
dass ich als ich<br />
wenn sie steht sie<br />
dass ich als ich<br />
wenn sie geht sie<br />
dass ich als ich<br />
neun und zehn ist<br />
dass ich als ich<br />
elf und zwölf ist.
</div>
<p>von Hans Arp<br />
aus: Wortträume und schwarze Sterne. Auswahl aus den Gedichten der Jahre 1911-1952. Limes Verlag Wiesbaden/ München.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Sophie (Hans Arp)</title>
		<link>http://mondblume.leoauri.com/2012/sophie-hans-arp/</link>
		<comments>http://mondblume.leoauri.com/2012/sophie-hans-arp/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 23 Apr 2012 19:26:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://mondblume.leoauri.com/?p=62</guid>
		<description><![CDATA[Jetzt arbeiten wir an einem Album mit Gedichten von Hans Arp. Sophie Basel 1943-1945 Die Herzen sind Sterne, die im Menschen blühen. Alle Blumen sind Himmel. Alle Himmel sind Blumen. Alle Blumen glühen. Alle Himmel blühen. . Ich spreche kleine, alltägliche Sätze leise für mich hin. Um mir Mut zu machen, um mich zu verwirren, um das große Leid, die Hilflosigkeit, in der wir leben, zu vergessen, spreche ich kleine, einfältige Sätze. . Die Meere sind Blumen. Die Wolken sind Blumen. Die Sterne sind Blumen, die im Himmel blühen. Der Mond ist eine Blume. Der Mond ist aber auch eine große Träne. . Alle Blumen blühen für dich. Alle Herzen glühen für dich. . Ich spreche kleine, einfältige Sätze leise für mich hin, immerfort für mich hin. Ich spreche kleine, alltägliche, geringe Sätze. Ich spreche wie die geringen Glocken, die sich wiederholen und wiederholen. . Sophie ist ein Himmel. Sophie ist ein Stern. Sophie ist eine Blume. Alle Blumen blühen, blühen für dich. Alle Herzen glühen, glühen für dich. Nun bist du fortgegangen. Was soll ich hier gehen und stehen. Ich habe nur ein Verlangen. Ich will dich wiedersehen. . Wir zogen hell durch Glanz und Duft. Nun tut das Licht mir weh und niemand ruft und zeigt mir eine Blume oder einen Stern. . Es blüht im Himmelsgrund zwischen Dunkelheit und Licht strahlend wie ein Stern dein gütiges Gesicht. . Du bist ein Stern und träumst in Gottes lichter Blume. Ich mag nicht weitergehen. Ich will auch schlafen. So....]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="image_right"><img src="http://mondblume.leoauri.com/wp-content/uploads/2012/04/sophie-hans-arp.jpg" alt="" title="sophie-hans-arp" width="270" height="247" class="alignnone size-full wp-image-63" /></div>
<p>Jetzt arbeiten wir an einem Album mit Gedichten von Hans Arp.</p>
<p>Sophie<br />
Basel 1943-1945</p>
<div class="poem_text">
Die Herzen sind Sterne,<br />
die im Menschen blühen.<br />
Alle Blumen sind Himmel.<br />
Alle Himmel sind Blumen.<br />
Alle Blumen glühen.<br />
Alle Himmel blühen.<br />
.<br />
Ich spreche kleine, alltägliche Sätze<br />
leise für mich hin.<br />
Um mir Mut zu machen,<br />
um mich zu verwirren,<br />
um das große Leid, die Hilflosigkeit,<br />
in der wir leben, zu vergessen,<br />
spreche ich kleine, einfältige Sätze.<br />
.<br />
Die Meere sind Blumen.<br />
Die Wolken sind Blumen.<br />
Die Sterne sind Blumen,<br />
die im Himmel blühen.<br />
Der Mond ist eine Blume.<br />
Der Mond ist aber auch eine große Träne.<br />
.<br />
Alle Blumen blühen für dich.<br />
Alle Herzen glühen für dich.<br />
.<br />
Ich spreche kleine, einfältige Sätze<br />
leise für mich hin,<br />
immerfort für mich hin.<br />
Ich spreche kleine, alltägliche, geringe Sätze.<br />
Ich spreche wie die geringen Glocken,<br />
die sich wiederholen und wiederholen.<br />
.<br />
Sophie ist ein Himmel.<br />
Sophie ist ein Stern.<br />
Sophie ist eine Blume.</p>
<p>Alle Blumen blühen,<br />
blühen für dich.<br />
Alle Herzen glühen,<br />
glühen für dich.</p>
<p>Nun bist du fortgegangen.<br />
Was soll ich hier gehen und stehen.<br />
Ich habe nur ein Verlangen.<br />
Ich will dich wiedersehen.<br />
.<br />
Wir zogen hell<br />
durch Glanz und Duft.<br />
Nun tut das Licht mir weh<br />
und niemand ruft<br />
und zeigt mir eine Blume<br />
oder einen Stern.<br />
.<br />
Es blüht im Himmelsgrund<br />
zwischen Dunkelheit und Licht<br />
strahlend wie ein Stern<br />
dein gütiges Gesicht.<br />
.<br />
Du bist ein Stern<br />
und träumst in Gottes lichter Blume.<br />
Ich mag nicht weitergehen.<br />
Ich will auch schlafen.<br />
So wie du schläfst<br />
in Gold und tiefer Ferne<br />
in einem reinen Wiegen.<br />
.<br />
Verloren wie der alte Mond,<br />
der schon viel tausend Jahre stirbt,<br />
ist dieser arme Tränenmensch,<br />
der um die tote Rose wirbt.<br />
.<br />
Wie schnell vergeht ein Leben<br />
in Gottes lichtem Dunkel.<br />
Kaum ist heute gesagt,<br />
ist morgen schon vergangen.<br />
Und so vergehen die Jahre<br />
mit Spielen, Träumen, Säumen.<br />
Und so vergeht die Zeit,<br />
in der die Blumen schweben.<br />
.<br />
Wann blühen wir wieder<br />
vereint an Gottes lichtem Strauch?<br />
Wann ruhe ich für immer<br />
in deinem reinen Hauch?<br />
.<br />
Du lächeltest,<br />
um nicht zu weinen.<br />
Du lächeltest,<br />
als würden lange noch<br />
die guten Tage scheinen.<br />
Deine Flügel glänzten<br />
wie junge Blätter.<br />
Dein Gesicht<br />
war ein weißer Stern.<br />
.<br />
Seitdem du gestorben bist,<br />
danke ich jedem vergehenden Tag.<br />
Jeder vergangene Tag<br />
bringt mich dir näher.<br />
.
</p></div>
<p>von Hans Arp<br />
aus: Wortträume und schwarze Sterne. Auswahl aus den Gedichten der Jahre 1911-1952. Limes Verlag Wiesbaden/ München.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Nächtens will ich; Lautespielender Engel (Engel Teil 3)</title>
		<link>http://mondblume.leoauri.com/2012/naechtens-engel-reden-rilke-lautespielender-goes/</link>
		<comments>http://mondblume.leoauri.com/2012/naechtens-engel-reden-rilke-lautespielender-goes/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 09 Apr 2012 19:14:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://mondblume.leoauri.com/?p=60</guid>
		<description><![CDATA[Nächtens will ich mit dem Engel reden Nächtens will ich mit dem Engel reden, ob er meine Augen anerkennt. Wenn er plötzlich fragte: Schaust du Eden? Und ich müsste sagen: Eden brennt Meinen Mund will ich zu ihm erheben, hart wie einer, welcher nicht begehrt. Und der Engel spräche: Ahnst du Leben? Und ich müsste sagen: Leben zehrt Wenn er jene Freude in mir fände, die in seinem Geiste ewig wird, - und er hübe sie in seine Hände, und ich müsste sagen: Freude irrt von Rainer Maria Rilke + Lautespielender Engel Stimme des Engels: Sprich mich nicht an! Ich kann dir nichts erwidern. Ich höre nur der Laute Lobgesang. Ich hab ein Amt, begreif: den heilgen Liedern Zu dienen, Klang bei Klang. Doch fürchte nichts! Denn über allen Worten Und allem, was geschieht und je geschah Klingt dieser Ton und tönt an allen Orten. Wags und stimm ein, und du bist ganz mir nah. von Albrecht Goes]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="image_right"><img src="http://mondblume.leoauri.com/wp-content/uploads/2012/04/eden-brennt-2-smaller-ausschnitt.jpg" alt="Eden brennt" title="Eden brennt" width="270" height="224" class="alignnone size-full wp-image-61" /></div>
<p>Nächtens will ich mit dem Engel reden</p>
<div class="poem_text">Nächtens will ich mit dem Engel reden,<br />
ob er meine Augen anerkennt.<br />
Wenn er plötzlich fragte: Schaust du Eden?<br />
Und ich müsste sagen: Eden brennt</p>
<p>Meinen Mund will ich zu ihm erheben,<br />
hart wie einer, welcher nicht begehrt.<br />
Und der Engel spräche: Ahnst du Leben?<br />
Und ich müsste sagen: Leben zehrt</p>
<p>Wenn er jene Freude in mir fände,<br />
die in seinem Geiste ewig wird, -<br />
und er hübe sie in seine Hände,<br />
und ich müsste sagen: Freude irrt
</p></div>
<p>von Rainer Maria Rilke</p>
<p>+</p>
<p>Lautespielender Engel</p>
<div class="poem_text">Stimme des Engels:</p>
<p>Sprich mich nicht an! Ich kann dir nichts erwidern.<br />
Ich höre nur der Laute Lobgesang.<br />
Ich hab ein Amt, begreif: den heilgen Liedern<br />
Zu dienen, Klang bei Klang.</p>
<p>Doch fürchte nichts! Denn über allen Worten<br />
Und allem, was geschieht und je geschah<br />
Klingt dieser Ton und tönt an allen Orten.<br />
Wags und stimm ein, und du bist ganz mir nah.
</p></div>
<p>von Albrecht Goes</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://mondblume.leoauri.com/2012/naechtens-engel-reden-rilke-lautespielender-goes/feed/</wfw:commentRss>
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		</item>
		<item>
		<title>Die toten Engel (Engel Teil 2)</title>
		<link>http://mondblume.leoauri.com/2012/die-toten-engel-rafael-alberti/</link>
		<comments>http://mondblume.leoauri.com/2012/die-toten-engel-rafael-alberti/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 02 Apr 2012 18:00:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Die toten Engel Sucht doch, sucht doch nach ihnen: in der Schlaflosigkeit der vergessenen Wasserröhren, in den Rinnsalen, abgewürgt vom Schweigen des Abfalls, nicht weit von Pfützen, zu klein, eine Wolke zu beherbergen oder ein Paar verlorener Augen, einen zerbrochenen Ring oder einen zertretenen Stern. Denn ich hab sie gesehen, in manchen Trümmerfeldern, plötzlich, im Nebel, denn ich hab sie berührt, im Exil eines abgestorbenen Ziegels, eingegangen ins Nichts, von einem Turm herab oder von einem Karren. Nie sind sie fern, wenn ein Schornstein zusammenbricht. Bei den zähen Blättern, die sich an die Schuhe heften, halten sie sich auf. Überall dort, aber auch in jenen verstreuten Spänen, die ohne Feuer verdorren, in jenen verfallnen Abwesenheiten, an denen wacklige Möbel leiden, unfern der Namen und Ziffern, die an den Wänden erkalten. Sucht doch, sucht doch nach ihnen: unter dem Wachstropfen, der das Wort begräbt in einem Buch, oder der Unterschrift auf einem der Briefschnitzel, die der Staub mit sich herumschleift, ganz in der Nähe eines verlorenen Flaschenscherbens, einer alten, verirrten Schuhsohle im Schnee, eines Rasiermessers, ausgesetzt am Rand eines Abgrunds. von Rafael Alberti]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="image_right"><img class="alignnone size-full wp-image-58" title="Die-toten-Engel" src="http://mondblume.leoauri.com/wp-content/uploads/2012/04/Die-toten-Engel.jpg" alt="" width="270" height="161" /></div>
<p>Die toten Engel</p>
<div class="poem_text">Sucht doch, sucht doch nach ihnen:<br />
in der Schlaflosigkeit der vergessenen Wasserröhren,<br />
in den Rinnsalen, abgewürgt vom Schweigen des Abfalls,<br />
nicht weit von Pfützen, zu klein, eine Wolke zu beherbergen<br />
oder ein Paar verlorener Augen,<br />
einen zerbrochenen Ring<br />
oder einen zertretenen Stern.</p>
<p>Denn ich hab sie gesehen,<br />
in manchen Trümmerfeldern, plötzlich, im Nebel,<br />
denn ich hab sie berührt,<br />
im Exil eines abgestorbenen Ziegels,<br />
eingegangen ins Nichts, von einem Turm herab oder von einem Karren.</p>
<p>Nie sind sie fern, wenn ein Schornstein zusammenbricht.<br />
Bei den zähen Blättern, die sich an die Schuhe heften, halten sie sich auf.</p>
<p>Überall dort,<br />
aber auch in jenen verstreuten Spänen, die ohne Feuer verdorren,<br />
in jenen verfallnen Abwesenheiten, an denen wacklige Möbel leiden,<br />
unfern der Namen und Ziffern, die an den Wänden erkalten.</p>
<p>Sucht doch, sucht doch nach ihnen:<br />
unter dem Wachstropfen, der das Wort begräbt in einem Buch,<br />
oder der Unterschrift auf einem der Briefschnitzel,<br />
die der Staub mit sich herumschleift,<br />
ganz in der Nähe eines verlorenen Flaschenscherbens,<br />
einer alten, verirrten Schuhsohle im Schnee,<br />
eines Rasiermessers, ausgesetzt am Rand eines Abgrunds.
</p></div>
<p>von Rafael Alberti</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>In der Bibliothek (Engel Teil 1)</title>
		<link>http://mondblume.leoauri.com/2012/in-der-bibliothek-charles-simic-engel-1/</link>
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		<pubDate>Mon, 12 Mar 2012 20:45:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Bibliothek für octavio Es gibt ein Buch, das heisst Die Enzyklopädie der Engel. Fünfzig Jahre lang hat es niemand geöffnet. Das weiss ich genau, denn als ich es aufschlug, knackte es in den Deckeln, und die Seiten fielen auseinander. Dort entdeckte ich,dass die Engel einst zahlreich waren wie die Unterarten der Fliegen. In der Dämmerung wimmelte der Himmel von ihnen. Man musste mit den Armen rudern, um sie abzuhalten. Jetzt scheint die Sonne durch die hohen Fenster. Die Bibliothek ist ganz still. Engel und Götter lauern in dunklen, nie geöffneten Büchern. Das grosse Geheimnis steht auf irgendeinem Regal, und Miss Jones geht dreimal am Tag daran vorbei. Sie ist so gross, dass sie den Kopf immer seitwärts beugt, als lauschte sie. Die Bücher flüstern. Ich höre nichts, sie aber versteht alles. von Charles Simic]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="image_right"><img class="alignnone size-medium wp-image-50" title="In der Bibliothek" src="http://mondblume.leoauri.com/wp-content/uploads/2012/03/In-der-Bibliothek-287x300.jpg" alt="Bücher fallen unausweichlich" width="270" height="282" /></div>
<p>In der Bibliothek<br />
<em>für octavio</em></p>
<div class="poem_text">Es gibt ein Buch, das heisst<br />
Die Enzyklopädie der Engel.<br />
Fünfzig Jahre lang hat es niemand geöffnet.<br />
Das weiss ich genau, denn als ich es aufschlug,<br />
knackte es in den Deckeln, und die Seiten<br />
fielen auseinander. Dort entdeckte ich,dass die Engel einst zahlreich waren<br />
wie die Unterarten der Fliegen.<br />
In der Dämmerung wimmelte<br />
der Himmel von ihnen.<br />
Man musste mit den Armen rudern,<br />
um sie abzuhalten.</p>
<p>Jetzt scheint die Sonne<br />
durch die hohen Fenster.<br />
Die Bibliothek ist ganz still.<br />
Engel und Götter lauern<br />
in dunklen, nie geöffneten Büchern.<br />
Das grosse Geheimnis steht<br />
auf irgendeinem Regal, und Miss Jones<br />
geht dreimal am Tag daran vorbei.</p>
<p>Sie ist so gross, dass sie den Kopf<br />
immer seitwärts beugt, als lauschte sie.<br />
Die Bücher flüstern.<br />
Ich höre nichts, sie aber versteht alles.</p>
</div>
<p>von Charles Simic</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Vorgefühl (&#8230;Rilke)</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 21:37:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Vorgefühl Ich bin wie eine Fahne von Fernen umgeben. Ich ahne die Winde, die kommen, und muß sie leben, während die Dinge unten sich noch nicht rühren: die Türen schließen noch sanft, und in den Kaminen ist Stille; die Fenster zittern noch nicht, und der Staub ist noch schwer. Da weiß ich die Stürme schon und bin erregt wie das Meer. Und breite mich aus und falle in mich hinein und werfe mich ab und bin ganz allein in dem großen Sturm. Aus “Das Buch der Bilder” (1902 und 1906) von Rainer Maria Rilke.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="image_right"><img class="alignnone  wp-image-33" title="Vorgefuehl-11_04_10_BallhausGruenau-189" src="http://mondblume.leoauri.com/wp-content/uploads/2012/01/Vorgefuehl-11_04_10_BallhausGruenau-189-300x212.jpg" alt="Vorgefühl" width="270" height="191" /></div>
<p>Vorgefühl</p>
<div class="poem_text">
Ich bin wie eine Fahne von Fernen umgeben.<br />
Ich ahne die Winde, die kommen, und muß sie leben,<br />
während die Dinge unten sich noch nicht rühren:<br />
die Türen schließen noch sanft, und in den Kaminen ist Stille;<br />
die Fenster zittern noch nicht, und der Staub ist noch schwer.</p>
<p>Da weiß ich die Stürme schon und bin erregt wie das Meer.<br />
Und breite mich aus und falle in mich hinein<br />
und werfe mich ab und bin ganz allein<br />
in dem großen Sturm.
</p></div>
<p>Aus “Das Buch der Bilder” (1902 und 1906) von Rainer Maria Rilke.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>&#8230;versucht sich in Rilke</title>
		<link>http://mondblume.leoauri.com/2011/versucht-sich-in-rilke/</link>
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		<pubDate>Sat, 17 Sep 2011 21:14:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir überlegen, ein neues Programm aufzubauen. Heute haben wir uns in Rilke-Gedichten ausprobiert&#8230; Die Ergebnisse finden wir sehr spannend: Der Schutzengel Du bist der Vogel, dessen Flügel kamen, wenn ich erwachte in der Nacht und rief. Nur mit den Armen rief ich, denn dein Namen ist wie ein Abgrund, tausend Nächte tief. Du bist der Schatten, drin ich still entschlief, und jeden Traum ersinnt in mir dein Samen, &#8211; du bist das Bild, ich aber bin der Rahmen, der dich ergänzt in glänzendem Relief. Wie nenn ich dich? Sieh, meine Lippen lahmen. Du bist der Anfang, der sich groß ergießt, ich bin das langsame und bange Amen, das deine Schönheit scheu beschließt. Du hast mich oft aus dunklem Ruhn gerissen, wenn mir das Schlafen wie ein Grab erschien und wie Verlorengehen und Entfliehn, &#8211; da hobst du mich aus Herzensfinsternissen und wolltest mich auf allen Türmen hissen wie Scharlachfahnen und wie Draperien. Du: der von Wundern redet wie vom Wissen und von den Menschen wie von Melodien und von den Rosen: von Ereignissen, die flammend sich in deinem Blick vollziehn, &#8211; du Seliger, wann nennst du einmal Ihn, aus dessen siebentem und letztem Tage noch immer Glanz auf deinem Flügelschlage verloren liegt&#8230; Befiehlst du, dass ich frage? Die Engel Sie haben alle müde Münde und helle Seelen ohne Saum. Und eine Sehnsucht (wie nach Sünde) geht ihnen manchmal durch den Traum. Fast gleichen sie einander alle; in Gottes Gärten schweigen sie, wie viele, viele Intervalle in seiner Macht und Melodie.....]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="image_right"><img src="http://mondblume.leoauri.com/wp-content/uploads/2011/09/berlin-face-gunni-2.jpg" alt="Face on wall" title="berlin-face-gunni-2" width="260" height="218" class="alignnone size-full wp-image-24" /></div>
<p>Wir überlegen, ein neues Programm aufzubauen. Heute haben wir uns in Rilke-Gedichten ausprobiert&#8230;<br />
Die Ergebnisse finden wir sehr spannend:</p>
<p>Der Schutzengel</p>
<div class="poem_text">
Du bist der Vogel, dessen Flügel kamen,<br />
wenn ich erwachte in der Nacht und rief.<br />
Nur mit den Armen rief ich, denn dein Namen<br />
ist wie ein Abgrund, tausend Nächte tief.<br />
Du bist der Schatten, drin ich still entschlief,<br />
und jeden Traum ersinnt in mir dein Samen, &#8211;<br />
du bist das Bild, ich aber bin der Rahmen,<br />
der dich ergänzt in glänzendem Relief. </p>
<p>Wie nenn ich dich? Sieh, meine Lippen lahmen.<br />
Du bist der Anfang, der sich groß ergießt,<br />
ich bin das langsame und bange Amen,<br />
das deine Schönheit scheu beschließt. </p>
<p>Du hast mich oft aus dunklem Ruhn gerissen,<br />
wenn mir das Schlafen wie ein Grab erschien<br />
und wie Verlorengehen und Entfliehn, &#8211;<br />
da hobst du mich aus Herzensfinsternissen<br />
und wolltest mich auf allen Türmen hissen<br />
wie Scharlachfahnen und wie Draperien. </p>
<p>Du: der von Wundern redet wie vom Wissen<br />
und von den Menschen wie von Melodien<br />
und von den Rosen: von Ereignissen,<br />
die flammend sich in deinem Blick vollziehn, &#8211;<br />
du Seliger, wann nennst du einmal Ihn,<br />
aus dessen siebentem und letztem Tage<br />
noch immer Glanz auf deinem Flügelschlage<br />
verloren liegt&#8230;<br />
Befiehlst du, dass ich frage?
</p></div>
<p>Die Engel</p>
<div class="poem_text">
Sie haben alle müde Münde<br />
und helle Seelen ohne Saum.<br />
Und eine Sehnsucht (wie nach Sünde)<br />
geht ihnen manchmal durch den Traum. </p>
<p>Fast gleichen sie einander alle;<br />
in Gottes Gärten schweigen sie,<br />
wie viele, viele Intervalle<br />
in seiner Macht und Melodie. </p>
<p>Nur wenn sie ihre Flügel breiten,<br />
sind sie die Wecker eines Winds:<br />
als ginge Gott mit seinen weiten<br />
Bildhauerhänden durch die Seiten<br />
im dunklen Buch des Anbeginns.
</p></div>
<p>Eingang</p>
<div class="poem_text">
Wer du auch seist: am Abend tritt hinaus<br />
aus deiner Stube, drin du alles weißt;<br />
als letztes vor der Ferne liegt dein Haus:<br />
wer du auch seist.<br />
Mit deinen Augen, welche müde kaum<br />
von der verbrauchten Schwelle sich befrein,<br />
hebst du ganz langsam einen schwarzen Baum<br />
und stellst ihn vor den Himmel: schlank, allein.<br />
Und hast die Welt gemacht. Und sie ist groß<br />
und wie ein Wort, das noch im Schweigen reift.<br />
Und wie dein Wille ihren Sinn begreift,<br />
lassen sie deine Augen zärtllich los&#8230;
</div>
<p>Aus &#8220;Das Buch der Bilder&#8221; (1902 und 1906) von Rainer Maria Rilke.</p>
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